Schicksale von Kindern und Jugendlichen

Schätzungsweise sind 80.000 bis 140.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland an ME/CFS erkrankt - Tendenz steigend. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein, denn nicht alle Kinder haben eine gesicherte Diagnose. In den meisten Fällen vergehen ein bis zwei Jahre bis die Familien überhaupt Gewissheit über die Krankheit haben.

Collage von neun schwarz-weiß Fotos von Kindern, die müde im Bett liegen, eine Schlafmaske oder Atemmaske tragen
Collage von neun schwarz-weiß Fotos von Kindern, die müde sind, im Rollstuhl sitzen oder Kühlpacks auf der Stirn haben

„Wenn Kindern das Leben genommen wird, ohne dass sie sterben”

Kinder mit ME/CFS sind zu schwach, um zu toben und zu spielen, gehen meist gar nicht mehr in die Schule oder in die Kita, fahren nicht in den Urlaub und verpassen ihr Leben. Meist wissen sie nicht, wie ihre Zukunft aussehen soll, da sie seit Monaten oder Jahren fast nur im Bett liegen.

Wir möchten ihre Schicksale erzählen, ihnen somit eine Stimme geben und dafür kämpfen, dass die kranken Kinder wieder hoffen dürfen - auf eine Therapie, auf ein Medikament, auf ein lebenswertes Leben.

Annabelle, 9 Jahre

„Ich möchte endlich wieder rausgehen können!“

Annabelle hat seit November 2023 Post Covid und bekam ein Jahr später die Diagnose ME/CFS. Die Erkrankung hat ihr Leben und das ihrer Familie auf den Kopf gestellt. Annabelle ist mittlerweile bettlägerig und benötigt rund um die Uhr Betreuung. Zur Schule kann sie seit über einem Jahr schon nicht mehr gehen. Die Symptome sind überwältigend und haben nicht nur ihre Lebens­qualität aufs stärkste beeinträchtigt, sondern auch zu diversen Begleit­erkrankungen geführt (Leaky gut, PoTs, Thromben im Gehirn usw.).

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Beitrag in der ZDF-Mediathek

Annabelle vor ME/CFS. Sie hockt fröhlich lächelnd im Sand
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Annabelle mit ME/CFS. Sie liegt auf ihrem Bett und schaut ins Leere
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Lina, 14 Jahre

„Ich möchte so gern wieder in die Alpen.“

Lina hatte 2022 für sechs Monate Long Covid, seitdem auch Asthma. Weihnachten 2024 - nach einer erneuten Corona-Infektion - erholte sie sich nicht mehr. Sie war nach den Weihnachts­ferien noch einen Tag in der Schule, danach ging es ihr immer schlechter. Ab Februar 2025 konnte sie das Haus gar nicht mehr verlassen, konnte keinen Stift mehr eigenständig halten und kein Buch mehr lesen. Alles war zu anstrengend. Seit März liegt Lina nur noch flach im Bett in einem abgedunkelten Raum, erträgt keine Geräusche mehr, kann keine Gespräche mehr führen, keine Musik ertragen, kein Hörbuch hören. Sie liegt nur flach da und kann sich meist nicht selbst drehen und auch nicht hingesetzt werden.

Ihren Bruder oder ihre Freundinnen kann sie nicht mehr treffen und gegen ihre Katze Fritzi hat sie Allergien entwickelt, so dass sie nicht mehr in ihr Zimmer darf. Immer mehr Nahrungs­mittel­unverträglich­keiten kommen hinzu, sodass sie keine feste Nahrung mehr schlucken kann, nur pürierte Flüssig­nahrung mit Trinkhalm.

Lina war erst wenige Monate vor der Erkrankung mit ME/CFS nach Bremen umgezogen. Sie war neugierig und hat Freundschaften aufgebaut, einen neuen Sport angefangen, gerne gelesen und wollte ein halbes Jahr Schüleraustausch machen.

Lina vor ME/CFS. Sie hockt auf einem erhöhten Stein, im Hintergrund eine Berglandschaft
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Lina liegt mit einem Tuch über den Augen im Bett
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Elin, 6 Jahre

„Wann können wir endlich wieder Pony reiten?“

Elin ist Mitte 2024 an ME/CFS erkrankt, vermutlich aufgrund mehrfacher Corona-Infektionen. Bei ihr kam die Krankheit schleichend und sie wurde immer schwächer. Elin kann mittlerweile nicht mehr herumlaufen und nur noch im Sitzen spielen. Sie liebt ihre Puppen, aber auch das ist mittlerweile leider zu anstrengend für sie. Elin war ein wunderbar aufgeschlossenes und neugieriges Kind, das gern mit anderen gespielt hat. Jetzt vermisst sie ihre Kita, ihre Freunde und ihr altes Zuhause.

Artikel über Elin und ihren Bruder Jorin bei Zeit Online.

Elin vor ME/CFS. Sie steht lächelnd mit Stöckern im Garten.
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Elin mit ME/CFS. Sie liegt im Micky Maus Pyjama im Bett und schaut zur Seite.
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Emil, 8 Jahre

„Mama, was meinst du, können wir je noch mal eine Reise machen? Ich vermisse Reisen so sehr.“

Bei Emil begann ME/CFS schleichend. Er wurde über 2 Jahre immer schwächer. Der Beginn ist unklar, eventuell steht er im Zusammen­hang mit seiner ersten Covid-Infektion 2022.
Nach größeren Crashs im Sommer 2024 aufgrund von Fehlberatungen durch ein Universitäts­klinikum, konnte er nicht mehr die Schule besuchen. Er war zuvor ein sehr aktives Kind. War bei den Pfadfindern, liebte es zu klettern und ging sehr gerne in den Schrebergarten.

Artikel über Emil bei Spiegel Online.

Emil vor der Krankheit. Er steht lächelnd mit Helm und den Händen am Lenkrad eines Rollers
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Emil mit ME/CFS. Er liegt im Bett und schaut zu seinen Kuscheltieren.
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Jorin, 9 Jahre

„Ich würde so gerne wieder zur Schule gehen.“

Jorin ist seit Anfang 2024 an ME/CFS erkrankt. Vermutlich auch aufgrund mehrerer Corona-Infektionen. Der Verlauf war schleichend und über einen längeren Zeitraum hatte er immer wieder diffuse Schmerzen, fühlte sich schlapp und brach nach einem letzten Camping­urlaub zusammen. Seitdem liegt Jorin nur noch im Bett. Ärzte haben seine Krankheit nicht erkannt, sodass er nicht geschont werden konnte. Er kann nicht mehr herumlaufen. Die einzigen Beschäftigungen sind Fernsehen schauen und ab und zu mit der Switch spielen. Früher war er ein absolutes Draußenkind, was man von früh bis spät im Garten, auf dem Spielplatz oder auf dem Fußballplatz antraf. Er hatte viele Freunde und war bei seinen Klassen­kameraden beliebt. Alles, was er so sehr liebte, kann er nun nicht mehr machen.

Artikel über Jorin und ihre Schwester Elin bei Zeit Online.

Jorin vor ME/CFS. Er schaut grinsend in die Kamera
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Jorin liegt mit Sauerstoffmaske im Bett
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Leander, 10 Jahre

„Ich möchte so gerne einfach wieder in die Schule gehen, meine Freunde treffen und Fußball spielen!“

Ich bin Leander und nach meiner Corona-Infektion im Herbst 2023 leider nicht wieder gesund geworden. Erst sah es so aus, als wäre ich wieder gesund, aber weil Ärzte meine Krankheit falsch eingeschätzt haben, habe ich mich nicht geschont und bin so immer erschöpfter geworden. Ich habe es geliebt, mich viel zu bewegen, Ski zu fahren, habe Leichtathletik gemacht, war in der Lauf-AG und bin gerne zur Schule gegangen.

Reportage über Leander in der ARD-Mediathek.

Leander vor der Erkrankung mit ME/CFS. Er fährt auf Skiern, rundherum Schnee.
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Leander sitzt Augenmaske und Hörschutz im Auto
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Greta, 13 Jahre

„Mama, ich möchte ein Leben. Alle haben ein Leben, nur ich nicht.“

Ich bin Greta und seit 2021 nach einer Corona-Infektion schleichend an ME/CFS erkrankt. Leider bin ich innerhalb der letzten 3 Jahre immer schwächer geworden, sodass ich heute nicht mehr zur Schule kann. Ich war eine leiden­schaftliche Pfadfinderin und habe Sport geliebt. Meine Lieblings­beschäftigungen waren früher: Skifahren, Snowboard fahren, Eishockey, Volleyball und Basketball spielen. Jetzt kann ich mich kaum noch körper­lich bewegen. Viele Menschen strengen mich zu sehr an. Ich löse sehr gerne Zauber­würfel. Außerdem spiele ich Computer und schaue Videos. An guten Tagen kann ich mit meiner Familie zusammen am Tisch essen.

Ich habe leider eine lange Geschichte von Fehl­diagnosen hinter mir. 6 Fachärztinnen, eine Psycho­therapeutin, eine psycho­somatische Tages­klinik haben nicht erkannt, dass ich an ME/CFS leide. Ich musste mir von Ärztinnen anhören, dass ich mich nur anstrengen brauche... Es hat 2,5 Jahre gedauert, bis ich eine Diagnose erhalten habe. Aus diesem Grund konnte ich mich erst viel zu spät schonen, damit sich mein Zustand nicht verschlechtert.

Greta vor der Diagnose ME/CFS. Sie steht lächelnd in Ski-Ausrüstung im Schnee
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Greta mit ME/CFS von hinten im Rollstuhl sitzend; sie fährt eine Straße entlang
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Amelie, 9 Jahre

„Mama, wann kann ich endlich wieder aufs Pferd?“

Amelie ist seit Herbst 2024 erkrankt. Nach der letzten Corona-Infektion im Sommer 2024 erholte sie sich nicht mehr. Amelie kann nicht mehr zur Schule gehen oder das Haus verlassen. Sie war immer ein sehr aktives Kind. Immer in Bewegung und immer fröhlich und sportlich. Seit Monaten ist Amelie nur noch zu Hause und muss mehr­heitlich liegen.

Amelie vor der Erkrankung. Sie sitzt auf dem Rücken eines Pferdes und lächelt.
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Amelie liegt müde mit einer Katze im Pyjama auf dem Sofa
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Levi, 15 Jahre

„Mama, meinst du, ich kann jemals wieder kicken und überhaupt mal meinen Abschluss machen und etwas arbeiten?“

Ich bin Levi und seit Anfang 2024 an ME/CFS erkrankt. Ich bin schleichend immer schwächer geworden. Eigentlich bin ich sehr talentiert im Fußball und habe mindestens 4 bis 5 mal in der Woche trainiert und gespielt. Jetzt kann ich nicht mehr kicken, auch nicht mehr zur Schule gehen. Seit ich mich schone und das Pacing lerne, geht es mir etwas besser. Ich kann schon wieder Freunde treffen und mit meinem E-Scooter fahren.

Vor der Erkrankung. Levi laufend auf dem Fußballplatz
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Levi mit ME/CFS und Handtuch und Kühlpack auf dem Kopf auf dem Sofa liegend
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Nele, 7 Jahre

„Ich möchte meine Freunde endlich wieder jeden Tag sehen!“

Nele hat sich Anfang 2024 zum zweiten Mal mit Covid infiziert und ist seitdem an ME/CFS erkrankt. Aktuell kann sie noch eine Stunde pro Woche zur Schule. Zuhause bastelt sie gern und sie umgibt sich gern mit Tieren, die ihr gut tun. Nele kann sich noch mit Freunden treffen und mit ihnen 2 Stunden spielen.

Nele vor der Diagnose ME/CFS. Sie läuft lächelnd über den Strand, im Hintergrund das Meer
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Nele liegt mit geschlossenen Augen im Bett
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Lara, 15 Jahre

„Ich wünsche mir das Leben zurück. Zur Schule gehen können und vor allem REITEN.“

Ich bin Lara, 15 Jahre alt und seit 2022 an ME/CFS erkrankt. Komplett haus­gebunden, ohne Schule, habe ich bereits mein Pferd verloren und all meine Freunde.

Lara vor ME/CFS. Sie steht neben einem Pferd, das in einer Box steht
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Mia, 14 Jahre

„Ich möchte einfach nur in mein Leben zurück, aber mein Körper funktioniert immer weniger.“

Mia erkrankte Ende 2021 kurz nach der Covid-Impfung. Zunächst bekam sie am ganzen Körper starke Schmerzen, konnte sich immer weniger bewegen. Dann kamen kognitive Probleme und massive Schlaf­störungen dazu. Durch ärztliche Fehl­diagnosen und -behandlungen mit dem Fokus auf Aktivierung hat sich ME/CFS entwickelt. Mia war vorher extrem sportlich: klettern, tanzen und Parcour waren ihre Hobbies. Seit 3,5 Jahren ist sie immer wieder bettlägrig und kann keine Freunde treffen. Nur durch privat finanzierte Therapien wie Blutwäschen ging es ihr vorüber­gehend besser, so dass sie manchmal in die Schule gehen konnte. Doch schon ein Infekt reicht, um sie wieder wochenlang mit starken Schmerzen und Erschöpfung ans Bett zu fesseln. Ihr 4 Jahre älterer Bruder ist genauso betroffen.

Mia bevor sie erkrankte aktiv an einer Kletterwand
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Mia mit ME/CFS im Krankenhausbett an einen Tropf angeschlossen
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Aurora, 18 Jahre

„Die Krankheit hat mir fast alle Freundinnen genommen.“

Ich bin Aurora, fast 18 und seit Februar 2021 erkrankt. Unsere ganze Familie hatte im Dezember 2020 Corona. Über drei Jahre hat es gedauert, bis man mir und meiner Familie diese Krankheit geglaubt hat. Es war eine schreckliche Zeit voller Verleumdungen, viel zu viel Druck durch Schul­pflicht und dadurch ein stetiger Abwärts­trend.  Wir brauchen dringend eine bessere Auf­klärung aller Beteiligten. Schulen Ärzte, Kliniken, Psycho­therapeuten, Jugendamt usw. Die Psychologi­sierung dieser Krankheit muss aufhören. Nur weil man nicht in eine 08/15 Schublade passt, bedeutet das nicht, dass alles nur eingebildet ist. Ich war früher eine sehr erfolg­reiche Bogen­schützin und habe gern Klavier gespielt.

Aurora zielt Pfeil und Bogen, am Körper hat sie weitere Ausrüstung
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Aurora liegt mit ME/CFS im Bett und schaut in die Kamera, sie ist sehr blass
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Max, 8 Jahre

„Mama ich wünschte, es wäre Krebs gewesen. Da kann man zumindest hoffen und kämpfen“

Max ist seit Herbst 2023 erkrankt. Er hatte 2 Mal Covid hinter­einander. Zunächst haben Ärzt:innen seine Erkrankung nicht erkannt. Es zeigten sich Veränder­ungen. Er hatte auf einmal weniger Kraft. Schwere Beine, die Schule, die plötzlich zu laut wurde. Er war ständig krank. Der Kinder­arzt sagte, es wäre alles völlig normal. Im September 2024 hieß es plötzlich in der Charité, dass er Krebs hätte. Er wurde operiert. Dann kam die Diagnose ME/CFS.

Max, der bis vor 2 Jahren Skate­board und Fahrrad fuhr, beim Karate war und sich für Turniere qualifi­zierte, ist seit 9 Monaten nicht schul­fähig. Seine Schrift lässt nach, sein Essen kann er nicht mehr alleine schneiden. An den schlechten Tagen schafft er es nicht alleine seine Kleidung zu wechseln oder die Toilette aufzu­suchen. Seine Mutter muss ihm wieder die Zähne putzen und betreut ihn Vollzeit zu Hause.

Max im Karate-Anzug
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Max sitzt in der Wohnung im Rollstuhl
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Rosi, 16 Jahre

„Ich wollte so gerne Abi machen und studieren, nun ist das alles nicht mehr möglich.“

Rosi ist seit 2023 durch eine Covid Infektion an ME/CFS erkrankt. Sie geht seit März 2025 nicht mehr zur Schule. Keine Freundinnen mehr, sie ist sozial isoliert. Sie wollte Abi machen und studieren. Zu Hause ist auf­grund der massiven Konzen­trations­störungen auch keine Schule möglich.

Artikel über Rosi und ihren Bruder Fritz beim MDR.

Rosi liegt mit geschlossenen Augen im Bett, in der Hand eine Infusion
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Svea, 16 Jahre

„Ich würde so gern den Motorrad-Führer­schein machen!“

Ich bin Svea und seit 2022 erkrankt. Im Mai 2025 wurde meine Diagnose erst bestätigt, da noch kaum Wissen über diese Erkrankung bei Ärztinnen vorhanden ist. Svea ist momentan die meiste Zeit des Tages ans Haus und ans Bett gebunden.

Svea hält einen Bilderrahmen vor ihr Gesicht und lacht
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Svea liegt mit geschlossenen Augen im Bett, in der Hand hält sie ihr Smartphone
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Fritz, 11 Jahre

„Ich vermisse Sport so sehr!“

Fritz ist seit 2023 durch eine COVID-Infektion an ME/CFS erkrankt. Er schafft nur noch zwei bis vier Stunden täglich mit Schul­begleitung und Nachteils­ausgleich. Er hat leider immer wieder­kehrende Crashs und kann dann natürlich keine Schule besuchen. Er war vor seiner Erkrankung sehr sportlich und leidet heute extrem unter der Bewegungs­ein­schränkung.

Artikel über Fritz und seine Schwester Rosi beim MDR.

Fritz liegt im Bett, die Bettdeck ganz hochgezogen, auf der Stirn ein Kühlpad
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Tim, 10 Jahre

„Ich glaub, ich hab das Leben verlernt.“

Tim ist nach einem Infekt im März 2024 nicht mehr gesund geworden. Tim wurde bei einem Klinik­aufenthalt zur Ausschluss­diagnostik leider fehl­diagnostiziert. Ein post­infektiöses Syndrom wurde dort nach Ansicht der Ärzt:innen ausge­schlossen. Leider war dies eine Fehl­einschätzung. Die empfohlene stunden­weise Beschulung führte zu einer weiteren Zustands­verschlechterung. Im August 2024 wurde dann in einer Long-Covid-Ambulanz ME/CFS und POTS diagnostiziert.
Tim war ein aktives Kind, das gerne draußen in der Natur unterwegs war, zum Schwimmen ging und viel Fahrrad gefahren ist. Jetzt kann er an guten Tagen für kurze Zeit im Rollstuhl das Haus verlassen. An schlechten Tagen liegt er 23 Stunden im Bett oder auf dem Sofa. Er ist nicht beschulbar. Tim fragt oft, wann er endlich wieder Ausflüge machen oder in den Urlaub kann.

Tim auf einem Berggipfel, im Hintergrund die Tal-Landschaft
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Tim liegt mit Augenmaske im Bett
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Juliane, 16 Jahre

„Ich will mich endlich mal wieder bewegen können, ohne Schmerzen zu haben.“

Juliane hatte nach einer Borreliose­infektion im Frühjahr 2024 Hand- und Sprung­gelenk­schmerzen und heftige Infektions­symptome. Letztere wurden nach der medikamen­tösen Behand­lung und einem Klinikauf­enthalt wieder besser, die Schmerzen blieben aber und breiteten sich nach einem zweiten Klinik­aufenthalt mit viel Aktivierung und nach verzweifelten Versuchen, in die Schule zu gehen und dort mitzuhalten, bis Weihnachten 2024 auf alle Gelenke aus. Auch die schwere Müdigkeit wurde in dieser Zeit immer stärker.
Bis zur Erkrankung war sie sehr lebens­lustig, liebte es, auf Bäume zu klettern, Einrad zu fahren und spielte leiden­schaftlich Oboe in einem Jugend­orchester. Außerdem schrieb sie Geschichten und war in ihrer Schule und als Ministrantin sozial engagiert.
Heute liegt sie fast den ganzen Tag im Bett, hat immer Schmerzen, phasen­weise unerträg­lich, friert fast immer und ist schon nach kurzen Gesprächen so erschöpft, dass sie komplett in Ruhe gelassen werden muss. Wie bei vielen anderen Betroffenen sind die Jalousien ihres Zimmers meist herunter­gelassen, und schall­dichte Kopfhörer und eine Wärme­decke sind ihre Dauer­begleiter.

Juliane macht Handstand am Strand, im Hintergrund das Meer
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Juliane liegt mit geschlossenen Augen auf dem Rücken, im Arm eine Infusion
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Sophie, 17 Jahre

„Ich will Heilung, keine Symptome!“

Vor meiner Erkrankung liebte ich es, Tennis zu spielen. Ich stand oft am Tennisplatz. Ich hatte dort meine Freunde. Außerdem liebte ich die Arbeit mit Kindern, vor allem mit den sehr jungen Kindern. Ich liebte es auch, mit meinem Hund raus zu gehen. Ich habe ihm die meisten Tricks selber beigebracht. Wir spielten und schwammen im Sommer gemeinsam. Ich hatte gute Freunde, wir waren bis in die Nacht unterwegs. Früher ritt ich auch gerne. Ich hatte ein Seelenpferd. Mittlerweile schaffe ich es nicht mehr in den Stall.

Das emotionalste was ich unter starken Schmerzen meiner Mutter gesagt habe war: „Was passiert mit meinen Träumen die ich habe, wenn ich die nicht ausleben kann?‘‘

Sophie macht ein Selfie in Sport-Klamotten
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Sophie liegt mit einer Augenmaske im Bett
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Viktoria, 17 Jahre

„Es fühlt sich an, als wäre ich gefangen in einem Schatten, während das Leben draußen weiterzieht.“

Durch 4 Corona Erkrankungen und einem Eppstein-Barr-Virus, der sich immer wieder reaktiviert, bin ich 2024 an ME/CFS erkrankt und kämpfe seitdem, um vielleicht irgendwann wieder ein normales Leben zu führen.
Die Leidenschaft vom Skifahren, Schwimmen und Feldhockey musste ich leider aufgeben und vermisse es so sehr!

Viktoria vom Oberkörper abwärts fotografiert auf Skiern im Schnee
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Viktorias Arm, in dem eine Infusion steckt mit Verband drumherum
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Weitere Berichte von betroffenen Kindern

Wenn die Schule zum Sehnsuchtsort wird:
So leben Kinder in BW mit Long Covid

Die 12-Jährige Julie und ihr 16-jähriger Bruder Rick leiden beide an ME/CFS. Eine betroffene Familie mit zwei Kindern berichtet.

SWR Aktuell Baden-Württemberg, 27. März 2025

zur Reportage in der ARD-Mediathek

Der Crash

Die Schülerinnen Filippa und Samira können kaum noch das Haus verlassen. Sie leiden nach einer Corona-Infektion an ME/CFS.

Süddeutsche Zeitung von Nina Himmer und Leonard Scharfenberg, 03. Januar 2025

zum Artikel in Süddeutsche Zeitung

Corona-Folgen:
So lebt eine 14-Jährige mit Post-Covid

Seit sie sich im Februar 2022 mit SARS-CoV-2 infiziert hat, ist für sie und ihre Familie nichts mehr so, wie es einmal war. Das junge Mädchen, das früher Leistungssport betrieben hat, kann sich heute kaum noch bewegen und liegt die meiste Zeit im Bett.

Bayern 2 Die Welt, 06. September 2024

zum Audio-Beitrag bei BR24

Wie ein 13-Jähriger aus Wiesbaden gegen Long Covid kämpft

Fast ein Jahr lang konnte Lias nicht zur Schule gehen. Jetzt wird er vorübergehend in der Brückenschule in Wiesbaden, einer Schule mit Förderschwerpunkt für kranke Schülerinnen und Schüler, unterrichtet. Zweimal pro Woche für 90 Minuten - länger würde Lias nicht durchhalten.

hessenschau, 02. April 2024

zum Artikel und Video auf hessenschau

Jede Anstrengung ist zu viel

Pauline (19) ist ehrgeizig, steht kurz vor dem Abitur und spielt mehrmals die Woche Tischtennis. Im April 2021 bekommt sie Fieber, fühlt sich krank. Von da an ist sie ständig erschöpft, klagt über sehr starke Kopf- und Gliederschmerzen und kann kaum ihr Bett verlassen. Nach drei Monaten Ärztemarathon dann die Diagnose: ME/CFS.

ZDF, 37 Grad, 4. April 2023

zum Video in der ZDF-Mediathek

Ein Leben mit ME/CFS ist ohne Leben

Maya Ziche hat ihr Bett seit dem 13. November 2024 kaum noch verlassen. Ihre Mutter Angela berichtet.

Tagesspiegel von Angela Ziche, 10. Mai 2025

zum Artikel bei Tagesspiegel